13. Juni 2026
Screening "Seidlvilla: Schwabing Geschichten"
Beginn 21:00
Das Projekt
Seidlvilla: Schwabing Geschichten verbindet offene Filmlabore mit Open-Air-Screenings im Innenhof der Seidlvilla. Das Projekt richtet sich an Laien und Profis gleichermaßen. Es lädt ein, gemeinsam durch das Viertel zu streifen, Geschichten zu suchen, Orte zu befragen und Menschen zu porträtieren. Jung und alt, bekannt und unbekannt, damals und heute.
Das Fahrradkino von Ciné Vélo Cité bespielt den Innenhof der Seidlvilla als temporären Kinoraum. Gezeigt werden Filmklassiker und weniger bekannte Arbeiten mit Bezug zu Schwabing und München. Die Screenings sind der Ausgangspunkt und Inspiration für das eigene filmische Machen in den nachfolgenden Filmlaboren.
Die Filmlabore
Die Filmlabore folgen einem offenen, kollaborativen Prozess. Alle Interessierten treffen sich gemeinsam, tragen mögliche Geschichten, Portraits und Drehorte zusammen und sortieren das Material. In den darauffolgenden Terminen entstehen in kleinen Gruppen kurze Filmexperimente. Die Gruppen arbeiten parallel und nacheinander. Jeder Prozessabschnitt ist offen für Neueinsteigende.
Das Prinzip ist Learning by Doing. Es gibt keine Vorkenntnisse, die man mitbringen muss. Wer filmen möchte, filmt. Wer beim Schnitt dabei sein will, ist dabei. Wer zuhören und beobachten will, ist ebenso willkommen.
Das gesamte Equipment wird gestellt.
Das Viertel
Schwabing war einmal ein Ort der Aufbrüche. In den 1960er Jahren lebten und arbeiteten hier Filmschaffende, die das deutsche Kino neu erfunden haben. Alexander Kluge entwickelte in München seine essayistische Filmsprache. Edgar Reitz erkundete mit der Kamera die Brüche zwischen Tradition und Moderne. George Moorse und andere, heute weniger bekannte Figuren, prägten eine Szene, die sich in Kneipen, Ateliers und auf der Straße abspielte. Orte wie die Schwabinger 7 oder die Bars entlang der Leopoldstraße waren keine bloßen Treffpunkte. Sie waren Produktionsorte einer Gegenkultur.
Heute gilt Schwabing als Synonym für Gentrifizierung, für saturiertes Bürgertum und teuren Wohnraum. Dieses Bild ist nicht falsch. Es ist aber auch unvollständig.
Hinter dem Klischee des durchgentrifizierten Viertels existieren weiterhin Orte, Initiativen und Menschen, die Widerständigkeit und Resilienz verkörpern. Kneipen wie das Jennerwein tragen Schwabinger Geschichte in sich. Der Verein Kultur und Spielraum entwickelte unter Gerd Grüneisl in den 1960er Jahren eine progressive Aktionspädagogik, die mit Projekten wie Mini München und dem Fahrenden Raum bis heute wirksam ist. Cine Global betreibt an der Ecke Wedekindplatz einen Filmverleih und eine Pop-Up-Galerie. Ein Papierladen in der Hohenzollernstraße hält sich gegen alle Marktlogik.
Schwabing ist kein Museum. Es ist ein Ort, der sich selbst immer wieder neu verhandelt.