12. Oktober 2019

„Ich habe den bitteren Ruhm, ein Mensch zu sein, der tobt“

 

Boris Andrejewitsch Pilnjak (1894-1938), eigentlich B. A. Wogau, wurde in Moschajsk bei Moskau als Sohn eines Tierarztes geboren. Sein Vater war wolgadeutscher Abstammung; die Mutter stammte aus einer russischen Kaufmannsfamilie. Seine Karriere als Schriftsteller begann 1915, als eine Reihe von Zeitschriften Erzählungen veröffentlichten. Seit diesem Zeitpunkt benutzte er das Pseudonym Pilnjak – ein regionaler Ausdruck für Waldarbeiter. Neben Majakowski und Babel war sein Name einer der klangvollsten Namen der jungen Sowjetliteratur und sein in alle Weltsprachen übersetzter Roman „Das nackte Jahr“ hatte Millionen Lesende für die Oktoberrevolution begeistert. Da seine Erzählungen zwischen Ironie und Schrecken balancieren, wurde sein Werk mehrfach kritisiert. Ihm wurden ideologische Fehler, Formalismus, Erotik und Mystik vorgeworfen, die eines proletarischen Schriftstellers nicht angemessen wären. Aber auch für seine politische Position wurde Pilnjak kritisiert, da er die Revolution in seinen Werken als Naturkraft dargestellte, als eine unbewusste Bauernrevolte, die nicht aus dem Klassenkampf, sondern aus der ewigen russischen Rebellion entstand. Selbst Stalin kritisierte ihn 1924 öffentlich in seiner Arbeit „Über die Grundlagen des Leninismus“. Trotzdem war Boris Pilnjak nicht nur einer der meistveröffentlichten Schriftsteller der frühen Sowjetunion, sondern über mehrere Jahre der Vorsitzender der Allrussischen Schriftstellervereinigung. Im Oktober 1937 wurde Boris Pilnjak verhaftet und im April 1938 von der Militärkammer des Obersten Gerichts der UdSSR unter fingierter Anklage (Spionage für Japan) wegen Verbrechen gegen den Sowjetstaat zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am gleichen Tag durch Erschießen vollstreckt. 1956 wurde er als Opfer der Stalinzeit rehabilitiert. Erst 1990 erfolgte in Russland die erste vollständige Veröffentlichung seiner Werke.

Mitwirkende: Maria Schefner, Arthur Galiandin, Oleg Wolf, Wolga-Chor u. a.

 

Gefördert durch den Migrationsbeirat der Landeshauptstadt München

 

 

Veranstalter: MIR – Zentrum russischer Kultur e.V.

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